Den Beginn machte eine Führung durch die Ausstellung. Das vor gut 120 Jahren errichtete Klinikum für psychisch erkrankte Menschen wurde abseits der Großstadt gebaut – mit der Bahn gut erreichbar und architektonisch auf dem weitläufigen, parkähnlichen Gelände auf der Höhe der Zeit. Die Einblicke in die Geschichte des Umgangs mit psychischen Erkrankungen und deren Behandlung, auch lange vor der Errichtung des Klinikums, lassen dankbar sein für die Forschungen und Entwicklungen auf diesem Gebiet. Viele Mittel und Methoden kämen heutzutage nicht mehr in Frage. Manches hat sich jedoch von Anfang an bei bestimmten Erkrankungen bewährt, wie etwa die körperliche Betätigung – auch wenn die Arbeit, zum Beispiel in der angeschlossenen Landwirtschaft, damals vermutlich nicht immer frei von Zwang war. Im Klinikum gab es zudem viele Handwerksbetriebe, die von Facharbeitern geleitet wurden. Diese Arbeiter siedelten sich im Laufe der Zeit rund um das Klinikum an.
Von den Begegnungen mit den dort Wohnenden berichtete der gebürtige Öhlinger, Peter Haberfehlner. Denn das Zusammentreffen gehörte zum Alltag, z.B. auf dem Schul- und Kirchenweg oder beim Einkaufen. Peter Haberfehlner erzählte vom bewegenden und guten Miteinander auf Augenhöhe und von erheiternden Erlebnissen aus seiner Kindheit.
Aber dem war nicht immer so: In der Zeit des Nationalsozialismus wurde „lebensunwertes Leben“ ausgelöscht. An diese Opfer der NS-Euthanasie erinnern heute das Mahnmal von Florian Nährer auf dem Anstaltsgelände, die Dauerausstellung im Pavillon 18 und der von der Künstlerin Azra Akšamija gestaltete Gedenkort „Geschichtete Erinnerungen“ auf dem Anstaltsfriedhof neben der Bundesstraße, der damals extra für die getöteten Menschen erweitert worden war.
Die Veranstaltung bot Einblicke in verschiedene geschichtliche Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven – ein rundum gelungener und spannender Tag.